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US Preventive Services Task Force

Neuer Empfehlungsentwurf zum PSA-Screening

26.04.2017
PSA-Test (Symbolbild)
PSA-Test: Mehr Nutzen oder mehr Schaden? Foto: jarun011 - Fotolia.com

Die US Preventive Services Task Force (USPSTF) hat einen neuen Entwurf ihrer Empfehlung zum PSA-Screening auf Prostatakrebs zur Diskussion gestellt.

Darin lässt die USPSTF eine Kehrtwende erkennen. Nunmehr heißt es für Männer zwischen 55 und 69 Jahren: „Die Entscheidung, ob auf Prostatakrebs gescreent werden soll oder nicht, sollte eine individuelle sein.“ (Empfehlungsgrad C) In ihrem ersten Statement von 2012 hatte sie noch mit Empfehlungsgrad D von einem Routine-Screening für alle Männer abgeraten, weil „die Vorteile des Screenings die Schäden nicht aufwogen“. Jetzt konstatiert das Konsortium: „Die Balance zwischen Nutzen und Schaden bleibt eng, und daher muss die Entscheidung, ein Screening zu beginnen, individuell sein. (…) Die richtige Entscheidung für jeden Mann muss eine sein, die dessen eigene Werte und Präferenzen in Hinsicht auf den Nutzen und Schaden des Screenings widerspiegelt.“ Damit hat die Task Force im Grunde die Kritik von Experten wie William K. Catalona, Chicago, IL/USA, erhört; Catalona hatte bemängelt (so etwa beim 65. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie [DGU] 2013 in Dresden), dass diese Empfehlung viel zu starr sei und nicht mehr die Möglichkeit einer individuellen Entscheidungsfindung vorsehe.

Bei Männern ab 70 Jahren rät der Entwurf von einem Screening ab; aufgrund des langsamen Wachstums vieler Prostatakarzinome überwögen hier die Nachteile des Screenings. Einen Sonderstatus haben Afroamerikaniker und Männer mit familiär gehäuftem Prostatakrebsrisiko; bei diesen Personen sei zwar das Risiko bekanntermaßen größer, doch seien sie in den Studienkohorten unterrepräsentiert gewesen, sodass man keine Empfehlung abgeben könne.

Was die USPSTF jetzt zu der Meinungsänderung bei der Hauptgruppe der infrage kommenden Männer bewegt, sind nach eigenen Angaben neue Studiendaten, nach denen der Überlebens-Benefit durch Screening leicht gestiegen ist und zudem ein geringeres Metastasierungsrisiko nachgewiesen wurde. Zudem habe sich mittlerweile das Konzept der aktiven Überwachung (Active Surveillance) bei niedrigem Risiko als eine Therapieoption durchgesetzt (40% der US-Patienten in 2010–2013). Durch dieses Konzept würden die Screening-Risiken minimiert, weil eine aktive Therapie erst bei einem Progress angefangen werde, erkennt die USPSTF an. Dass eine der wesentlichen Studien, auf die sich die Entscheidung 2012 stützte, durch eine „Source Data Verification“ als wertlos erwiesen wurde (wir berichteten), bleibt unerwähnt.

"Was sich nicht geändert hat, ist, dass die USPSTF Kommentare willkommen heißt", schreiben Kirsten Bibbins-Domingo und Kollegen im "Journal of the American Medical Association" (JAMA). "Wie bei allen Entwürfen für Empfehlungs-Statements, sucht die USPSTF Kommentare von Individuen und Organisationen, welche direkt über die USPSTF-Website abgegeben werden können." Die Gelegenheit dazu besteht noch bis zum 8. Mai.

(ms)
 

PSA-Test: Mehr Nutzen oder mehr Schaden? Foto: jarun011 - Fotolia.com

     

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