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Kein G-BA-Antrag auf GKV-Leistung

PSA-Test: DGU rudert zurück

08.12.2016
Albers
Peter Albers: „Da muss man vorsichtig und überlegt bleiben“. Foto: Albers

In diesem Jahr wird es doch keinen Antrag auf Kassenübernahme des PSA-Tests geben. So richtig daran geglaubt hat ohnehin niemand. Die Urologen betonen aber, die Prostatakrebsfrüherkennung neu aufstellen zu wollen.

Entgegen der Ankündigung des damaligen General­sekretärs Prof. Oliver Hakenberg beim 68. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) Ende September in Leipzig wird es dieses Jahr keinen Antrag beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) mehr geben, den PSA-Test zur Prostatakrebsfrüherkennung als GKV-Leistung anzubieten.

Auf Anfrage teilte der DGU-Vorstand den Urologischen Nachrichten mit: „Ob überhaupt und wenn ja wann der PSA-Wert einmal GKV-Leistung werden könnte, ist völlig unklar.“ Prof. Peter Albers, Direktor der Klinik für Urologie am Universitätsklinikum Düsseldorf und Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG), rät im Interview mit den Urologischen Nachrichten zu einem vorsichtigen, überlegten Vorgehen, anstatt „jetzt vorschnell das Gesetzgebungsverfahren loszutreten und sich am Ende damit zu blamieren“.

Datenlage nach wie vor zu schwach

Denn auch wenn die PLCO-Studie jetzt zur Beurteilung der PSA-gestützten Prostatakrebsfrüherkennung weggefallen ist, bleibt die Datenlage Albers zufolge zu schwach, um das Selbstverwaltungsgremium vom Sinn eines PSA-Tests als Kassenleistung zu überzeugen: „Die ERSPC-Daten sind das einzige, was wir derzeit haben. Es wird zwar unzweideutig ein relativer Überlebensvorteil dargestellt, aber wenn man so vorgehen würde, hätte man ein populationsbezogenes Screening mit einer relativ hohen Rate an Überdiagnostik und nachfolgender Übertherapie. Das heißt, für den G-BA würde sich in der jetzigen Situation die Datenlage nicht wesentlich anders darstellen als vor einem bis zwei Jahren“, führt Albers aus. „Das ist das Schlimmste, was passieren könnte: Man bringt einen Antrag ein, der wird abgelehnt, und dann wird es jahrelang nicht mehr beraten.“ Damit ist ein PSA-Test als Kassenleistung aber nicht für alle Zeiten vom Tisch. Albers setzt viel Hoffnung auf die PROBASE-Studie, die das risikoadaptierte Screening testet – anders als frühere Studien, die einen populationsbasierten Ansatz hatten. „Man muss eine moderne, intelligente Form der Krebsfrüherkennung für Deutschland beantragen, aber im Moment haben wir dafür noch keine ausreichende Datenbasis“, so Albers.

Früherkennung beim Mann in den Nationalen Krebsplan

Wichtig ist es dem DKG-Präsidenten, die Prostatakrebsfrüherkennung in die Politik zu bringen. Hier machen laut Albers die Patientenvertreter zu Recht Druck. Die DGU kündigt hier Aktivität an: „Anfang nächsten Jahres wird in einem gemeinsamen Gespräch von Vertretern der Vorstände von DGU, Berufsverband der Deutschen Urologen (BDU), DKG und Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe (BPS) ausgelotet, wie Krebsfrüherkennung beim Mann in Deutschland in dem Nationalen Krebsplan verankert werden könnte. Der PSA-Test ist ein Teilaspekt dabei“, teilten der neue DGU-Generalsekretär Prof. Maurice Stephan Michel, DGU-Präsident Prof. Tilman Kälble und DGU-Schatzmeister PD Dr. Jan Lehmann den Urologischen Nachrichten mit. „Der geschäftsführende Vorstand der DGU vertritt das Ziel, das Image des PSA-Test aufgrund der aktuellen günstigen Entwicklung der Datenlage nachhaltig zu verbessern.“

(ms)

Lesen Sie das vollständige Interview mit Prof. Peter Albers in der Doppelausgabe November/Dezember der Urologischen Nachrichten.
 

Peter Albers: „Da muss man vorsichtig und überlegt bleiben“. Foto: Albers