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Forum und Diskussion beim DGU-Kongress

Ein Herz für die Kinderurologie

05.10.2017
Müller
Stefan C. Müller aus Bonn diskutierte beim DGU-Kongress mit den Forumsteilnehmern, wie urologische "Randgebiete" im Fach gehalten werden können. Foto: Schmitz

Wie lässt sich die Kinderurologie im Fach Urologie halten? Darüber wurde im Rahmen des Forums „Urologie im Wandel“ am 22.09.2017 beim 69. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) in Dresden rege diskutiert.

Das Fazit könnte lauten: Angehende Urologen müssen ermutigt werden, sich einer urologischen Spezialdisziplin wie der Kinderurologie zuzuwenden, ohne befürchten zu müssen, sich damit die Karriere zu verbauen; dafür sind Strukturen notwendig, in denen die Spezialdisziplin fest etabliert ist.

Das Problem liegt nach Überzeugung von Prof. Stefan C. Müller darin, dass die Urologie es versäumt habe, die Kinderurologie zu institutionalisieren, wie es zum Beispiel in den USA der Fall ist und wie es die Chirurgen hierzulande mit der Kinderchirurgie geschafft haben. Damit meinte er nicht seine eigene Chefarzt-Generation, sondern die davor. „Institutionalisiert“ bedeutet, dass es eine eigene Abteilung für Kinderurologie gibt, die auch ausbildet.

Die Folge sei, so Müller, dass Ärzte, die sich hierzulande Kinderurologen nennen, oftmals nicht den Qualitätskriterien genügen, die etwa auf europäischer Ebene gelten. „Wir sollten nicht Titel führen, die nur zum Schmuck da sind“, mahnte Müller. Um dies zu ändern, müsste man während der Facharztausbildung entsprechende Talente finden und fördern. „Wir müssen ein Spezialgebiet nicht nur als Hobby betreiben, sondern Schwerpunkte setzen.“

Fünf vor zwölf oder schon zu spät?

Prof. Wolfgang Rösch, Direktor der Klinik für Kinderurologie in Regensburg, meldete sich aus dem Publikum und kritisierte die Fachgesellschaften der Urologie und Chirurgie für ihre „Sturheit“. Dass es eine gemeinsame Weiterbildung für Urologen und Chirurgen geben solle, werde derzeit "multimedial verbreitet". Er erinnerte daran: „Es wird seit 15 Jahren versucht, die Musterweiterbildungsordnung auf den Weg zu bringen. Ob es jetzt überhaupt noch zustande kommt, ist die Frage. Deshalb finde ich es auch etwas seltsam, dass es jetzt so verkauft wird.“ Rösch rechnet damit, dass es, wenn überhaupt, erst Mitte der 2020er-Jahre zu einem Weiterbildungskonzept kommt. „Das ist für die Urologie sicher zu spät!“

Der Regensburger Chefarzt rief die DGU auf, „die Kinderurologie auch nach außen zu unterstützen“ und forderte: „Es muss ein eigenes Teilgebiet werden, wie die Kinderkardiologie und die Kinderorthopädie, damit es auch politisch sichtbar wird.“ Dies müsse von der Fachgesellschaft noch vor der Änderung der Musterweiterbildung forciert werden.

Ein Weg, fähige Spezialisten auszubilden, ist es nach Überzeugung von Rösch, Ärzte zu kompetenten Zentren, eventuell auch ins Ausland zu entsenden. „Wenn sie zurückkommen, müssen sie aber auch Strukturen vorfinden, um klinisch und in der Forschung qualitativ hochwertig arbeiten zu können!“, mahnte Rösch in Übereinstimmung mit seinem Kollegen aus Bonn.

(ms)
 

Stefan C. Müller aus Bonn diskutierte beim DGU-Kongress mit den Forumsteilnehmern, wie urologische "Randgebiete" im Fach gehalten werden können. Foto: Schmitz