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Strabismus-Video-Brille

Neuentwicklung ermöglicht einfachen Schieltest

18.07.2017
Die neue Strabismus-Video-Brille. Bildquelle: UniversitätsSpital Zürich

Ein Forscherteam des UniversitätsSpitals Zürich und der Universität Sydney hat eine neuartige Video-Brille zur Messung von Schielwinkeln entwickelt. 

In einer Studie wurde nun die Genauigkeit der Brille geprüft und ihr Einsatz in der Praxis erprobt. Vor allem für Kinder und Patienten mit angeborenem Schielen, so das UniversitätsSpital, beurteilen die Entwickler die neue Brille als einen Gewinn.

Strabismus ist ein häufiges Sehproblem, circa fünf Prozent der Bevölkerung sind davon betroffen. Dabei verhindert ein Ungleichgewicht der Augenmuskeln die koordinierte Ausrichtung der Blickrichtung, was sich in einer Fehlstellung der beiden Augen, oft verbunden mit Doppelbildern, zeigt. Die möglichst genaue Messung der Blickabweichung ist wichtig für die optimale Korrektur des Schielens.

Zum Messen der Schielwinkel stehen laut UniversitätsSpital verschiedene etablierte Tests zur Verfügung, bekannt seien der Hess-Schirm und die Harms-Wand. Ihre Schwäche sei jedoch die schwierige Anwendung bei Kindern und bei Patienten mit angeborenem Schielen. Auch seien die objektive Vergleichbarkeit der Resultate und die Wiederholbarkeit der Messung unter identischen Bedingungen zum Teil schwierig. 

Einfache und schnelle Messung
Ein Forscherteam des UniversitätsSpitals Zürich und der Universität Sydney, Australien, hat nun eine neue binokulare Strabismus-Video-Brille entwickelt, mit der sich die Schielwinkel in verschiedenen Blickrichtungen einfach und schnell messen lassen. Dabei kommen eine in die Brille eingebaute Laser-Ziel-Projektion und zwei Flüssigkristalldisplays zur Anwendung, mit denen die Augen automatisch wechselseitig abgedeckt werden können.
Die Entwicklung der Brille basiert auf einer langjährigen Zusammenarbeit von PD Konrad P. Weber von der Augenklinik und der Klinik für Neurologie des UniversitätsSpitals Zürich mit Hamish MacDougall, PhD vom Vestibular Research Laboratory des Departements für Psychologie der Universität Sydney. 

Messgenauigkeit im Praxistest erwiesen
In einer Studie wurde nun die Genauigkeit der neuen Strabismus-Video-Brille geprüft. Dazu wurden nach Angaben des UniversitätsSpitals die Resultate der Video-Brille mit dem Hess-Schirm als etabliertem Standardtest verglichen. Zudem wurde der Einsatz der Video-Brille in der Praxis erprobt. Die Studie erfasste die Schielwinkel einer Patientengruppe von 41 Erwachsenen und Kindern ab sechs Jahren mit angeborenem oder erworbenem Begleit- oder Lähmungsschielen und einer Gruppe von 17 Freiwilligen ohne Schielen. Alle Teilnehmer wurden dafür mit der neuen Brille und dem herkömmlichen Hess-Schirm getestet. 

Die mit der Brille gemessenen Schielwinkel, so das Fazit der Forscher, zeigten eine gute Übereinstimmung mit den Resultaten des Hess-Schirms. Die neue Strabismus-Video-Brille habe sich in der Praxis zudem als einfaches, schnelles und genaues Instrument zum Erfassen der Schielwinkel erwiesen. Dies sei insbesondere für Patienten mit angeborenem Schielen wichtig, die mit dem üblichen Hess-Schirm nicht getestet werden könnten, sowie für die Messungen bei Kindern.

Weber sieht weitere Vorteile in der Größe und im Komfort der neuen Strabismus-Video-Brille: "Dank immer kleiner gewordenen Elektronik-Bauteilen wie Video-Kameras konnten alle für den Schieltest nötigen Komponenten in eine kompakte, mit einem 3-D-Drucker hergestellte Brille verpackt werden. Dadurch wurde es möglich, die über 100 Jahre alten Untersuchungstechniken zur Schielwinkelmessung für den Untersuchenden und die Patienten markant zu verbessern."

 

Die neue Strabismus-Video-Brille. Bildquelle: UniversitätsSpital Zürich