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Sehbehinderung bei Diabetes

Augenchecks und Stoffwechseleinstellung entscheidend

12.10.2017
Mit dem „Tag des weißen Stocks“ endet traditionell die Woche des Sehens vom 8. bis 15. Oktober. diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe macht anlässlich dieser Aufklärungswoche auf die Probleme sehbehinderter Diabetiker aufmerksam. Illustration: © jojoo64 – Fotolia.com

Zum „Welttag des Sehens“ am 12. Oktober  und „Tag des weißen Stocks“ am 15. Oktober fordert diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe* mehr barrierefreie Hilfsmittel für Diabetiker mit Netzhautschäden.

Die Stoffwechselerkrankung Diabetes kann im Laufe der Erkrankungszeit auch Folgen für die Augen haben: Bis zu einem Drittel aller Menschen mit Diabetes Typ 2 weisen nach Angaben von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe bei ihrer Diagnose eine leichte Veränderung der Netzhaut auf.
Eine Diabetische Retinopathie zeigt lange Zeit keine Symptome. Treten schließlich Sehstörungen auf, können die Schädigungen an der Netzhaut bereits so weit fortgeschritten sein, dass sie zu dauerhafter Sehbehinderung oder gar Erblindung führen. Für davon Betroffene sind nach wie vor kaum barrierefrei konzipierte Hilfsmittel und Technologien für die tägliche Selbsttherapie auf dem Markt. Darauf weist diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe anlässlich der Aktionstage „Welttag des Sehens“ am 12. Oktober und dem „Tag des weißen Stocks“ am 15. Oktober hin. 

Um einer diabetischen Retinopathie vorzubeugen, sollten sowohl Menschen mit Typ-1- als auch mit Typ-2-Diabetes regelmäßig die Augen untersuchen lassen, rät diabetesDE-Vorstandsvorsitzender Dr. Jens Kröger. In frühen Stadien ließen sich Netzhautveränderungen aufhalten. Menschen mit Typ-1-Diabetes sollten ab dem 11. Lebensjahr oder ab dem fünften Erkrankungsjahr eine Netzhautkontrolle nach vorheriger Pupillenerweiterung erhalten. Bei Menschen mit Diabetes Typ 2 sollte direkt nach der Diabetes-Diagnose die Netzhaut untersucht werden. Lägen noch keine Schädigungen an der Netzhaut vor und bestehen keine allgemeinen Risiken wie ein erhöhter Langzeitblutzuckerwert, eine längere Diabetesdauer, ein hoher Bluthochdruck oder eine Nierenerkrankung, würden Kontrolluntersuchungen alle zwei Jahre empfohlen. Bei hohem Risiko seien jährliche Untersuchungen wichtig. Bei bereits bestehender Retinopathie könnten die Untersuchungsabstände auch individuell kürzer als jährlich sein.

Neben der regelmäßigen Augenkontrolle beim Arzt, so diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe, sei auch eine gute Stoffwechseleinstellung mitentscheidend. „Ein wichtiger vorbeugender Faktor ist, dass Menschen mit Diabetes mit ihrem Arzt besprechen, wo ihr anzustrebender Blutzuckerzielbereich liegt und mit welchen Maßnahmen/Therapien sie den am besten erreichen können“, betont Kröger. Zum anderen sollte auch der Blutdruck gut eingestellt sein. Als Zielwert für den Blutdruck gilt 140/85 mmHg.

Sehbehinderten Diabetikern Selbsttherapie ermöglichen
„Wer aufgrund seiner Diabeteserkrankung sehbehindert oder gar blind wird, läuft auch Gefahr, seine Selbstständigkeit im Alltag zu verlieren“, sagt Diana Droßel, stellvertretende Vorsitzende von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe, Diabetesberaterin und selbst an Typ-1-Diabetes erkrankt sowie seit 1982 erblindet. Denn für die tägliche Selbsttherapie notwendige Blutzuckermessgeräte, Insulinpumpen, Insulinpens, Blutglukosemesssysteme, solche zum kontinuierlichen Glukosemonitoring oder diabetesbezogene Apps sind derzeit überwiegend nur für sehende Menschen geeignet.

„Blinde und Sehbehinderte benötigen daher zum Blutzuckermessen und für Insulingaben ständig Assistenz durch Pflegedienste oder Angehörige. Mit standardmäßig barrierefrei konzipierter Technik, die Messwerte und Insulindosen akustisch übermittelt, könnten Betroffene eigenständig sein“, erklärt Droßel. Eigentlich sollte das Angebot für barrierefreie medizintechnische Hilfsmittel für Menschen mit Diabetes angesichts der demografischen Entwicklung und der Verpflichtungen, die sich für Länder wie Deutschland aus der UN-Behindertenrechtskonvention ergeben, weiter ausgebaut werden. Eine entsprechende gesetzliche Vorgabe für Hersteller diabetesbezogener Medizintechnik würde dazu beitragen. Mit der Behindertenrechtskonvention habe sich die Bundesregierung dazu verpflichtet, Menschen mit Behinderungen eine unabhängige Lebensführung und die volle Teilhabe in allen Lebensbereichen zu ermöglichen.
„Bei Apps kostet die Implementierung von solchen Angeboten nichts; dazu muss man bei der Programmierung nur die Grundanforderungen der Betriebssysteme berücksichtigen“, so Droßel. Schlecht gemachte Apps erkenne man schon allein an mangelnder beziehungsweise fehlender Barrierefreiheit. Doch im Prinzip böten moderne Technologien viele Optionen, um behinderte und auch ältere Patienten wesentlich bei ihrer Diabetes-Therapie zu unterstützen, unterstreicht die Diabetesberaterin: „Daher fordern wir von der Regierung, Medizintechnikhersteller gesetzlich zu verpflichten, neue Produkte barrierefrei herzustellen.“
 

Hintergrund: Tag des weißen Stockes
Anfang der 1960er-Jahre drängten mehrere staatliche Organisationen und Rehabilitationseinrichtungen blinder Menschen den US-Kongress, einen jährlichen Gedenktag in allen 50 Bundesstaaten auszurufen, der an die Funktion des weißen Stocks als Hilfsmittel und Erkennungszeichen im Straßenverkehr erinnern sollte. 1964 wurde eine entsprechende Resolution in Kraft gesetzt, die den 15. Oktober zum White Cane Safety Day (sinngemäß „Verkehrssicherheitstag des weißen Stockes“) erklärte. Mit seiner umgehenden Proklamation unterstützte der damalige Präsident der Vereinigten Staaten, Lyndon B. Johnson, das Streben blinder Menschen nach mehr Selbstständigkeit.
Der Tag des weißen Stockes entwickelte sich schnell zum weltweiten Aktionstag der blinden Menschen. Seit dem Jahr 2002 ist der 15. Oktober in Deutschland zugleich der Abschlusstag der Woche des Sehens.
Nach deutschem Recht ist ein Mensch blind, wenn er auf dem besser sehenden Auge selbst mit Brille oder Kontaktlinsen nicht mehr als zwei Prozent von dem sieht, was ein Mensch mit normaler Sehkraft erkennt. Wenn man weniger als fünf Prozent sieht, gilt man als hochgradig sehbehindert. Auch viele hochgradig sehbehinderte Menschen sind auf den weißen Stock angewiesen.
 
 
* diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe
diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe ist eigenen Angaben zufolge eine gemeinnützige und unabhängige Dachorganisation, die Menschen mit Diabetes, Diabetesberater, Ärzte und Forscher vereint. Gemeinsam schaffen sie Öffentlichkeit für das Thema und vertreten die Interessen der Menschen mit Diabetes. Die Beteiligten setzen sich für eine bessere Prävention, Versorgung und Forschung im Kampf gegen die Volkskrankheit Diabetes ein. Die Krankheit breitet sich auch in Deutschland rasch aus. Sechs Millionen Menschen sind in Behandlung, und jeden Tag kommen fast 1000 Neuerkrankte hinzu.
 Gegründet wurde diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe von der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) www.ddg.info und dem Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD) www.vdbd.de. Die Selbsthilfe ist innerhalb von diabetesDE durch die selbstständige Selbsthilfeorganisation Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M) www.ddh-m.de vertreten.
www.diabetesde.org
www.deutsche-diabetes-hilfe.de
 
 

Mit dem „Tag des weißen Stocks“ endet traditionell die Woche des Sehens vom 8. bis 15. Oktober. diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe macht anlässlich dieser Aufklärungswoche auf die Probleme sehbehinderter Diabetiker aufmerksam. Illustration: © jojoo64 – Fotolia.com