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Demenz-Erkrankungen

Schützende Wirkung von Testosteron nicht belegt

27.09.2017
Foto: © Drobot Dean - Fotolia.com

Testosteron ist kein wirksames Mittel gegen Demenzkrankheiten. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM) hin. Wichtig sei velmehr die Vorbeugung in der jungen und mittleren Lebensphase durch ein körperlich, geistig und sozial aktives Leben.

Eine aktuelle Übersichtarbeit in der "Deutschen Medizinischen Wochenschrift" erörtert die widersprüchlichen Daten zur Testosteronbehandlung bei Demenz. Sie räumt nach Aussage der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM) mit dem verbreiteten Gerücht auf, Testosteron sei ein wirksames Mittel gegen Demenzkrankheiten inklusive des Alzheimers. Wichtig sei vielmehr die Vorbeugung in der jungen und mittleren Lebensphase – damit könnten erwiesenermaßen ein Drittel aller Demenz-Erkrankungen verhindert werden, wie die DGIM mit Hinweis auf eine aktuelle Studie im Fachmagazin "Lancet" erklärte.

„Viele Menschen haben Angst vor Demenzerkrankungen, weil mit ihnen ein Verlust der kognitiven Fähigkeiten und damit der Selbstständigkeit im Alter einhergehen – unter Umständen sogar dann, wenn der Patient ansonsten noch körperlich fit ist“, sagte Prof. Cornel C. Sieber, Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Geriatrie am Krankenhaus Barmherzige Brüder in Regensburg und Vorsitzender der DGIM. Ursache für Demenz-Erkrankungen kann die Abnahme von körpereigenen Sexualhormonen wie Testosteron oder Östrogen im höheren Alter sein. Ihre geringere Ausschüttung im Alter sei aber nicht die alleinige Ursache für eine Demenz: Andere Hormone, Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen, Stoffwechselstörungen, ein geringes Bildungsniveau oder eine genetische Veranlagung spielen ebenso eine wesentliche Rolle, so die DGIM.

Untersuchungen an Nervenzellen und in Tierversuchen hätten festgestellt , dass künstlich in den Körper eingebrachtes Testosteron die Zellen schützen und bei Mäusen den Ausbruch einer Demenz verzögern und die Symptome lindern könne. Da sich Ergebnisse aus Zellkultur oder Tierversuchen aber nicht einfach auf den Menschen übertragen lassen, wurden in den letzten Jahren diverse wissenschaftliche Studien mit Männern mit oder ohne Demenz durchgeführt. Die Ergebnisse sind nach Angaben der DGIM äußerst widersprüchlich. „Die Einnahme von Testosteron bei einer Demenz ist deshalb im Moment nicht angezeigt“, unterstrich Sieber, der auch das Institut für Biomedizin des Alterns in Nürnberg leitet.

Es seien weitere wissenschaftliche Studien nötig, um positive Auswirkungen einer Testosterontherapie bei Männern mit Demenz zu untersuchen und eindeutig zu belegen. „Schließlich muss man auch berücksichtigen, dass viele ältere Menschen sowieso schon mehrere Medikamente einnehmen. Die Gabe eines jeden weiteren Wirkstoffes muss sorgfältig erwogen werden, damit es nicht zu unerwünschten Wechselwirkungen kommt – nebst dem Umstande, dass eine Testosterongabe per se Nebenwirkungen haben kann“, gibt der Vorsitzende der DGIM zu bedenken.

Prof. Ulrich R. Fölsch aus Kiel, betonte: „Solange es keine wirksamen Therapien gegen Demenz gibt, gilt der Vorbeugung ein besonderes Augenmerk." Der Generalsekretär der DGIM verwies auf eine aktuelle Studie aus Großbritannien, wonach ein Drittel aller Demenzfälle durch folgende Maßnahmen verhindert werden könne: Übergewicht senken, gesund ernähren, nicht rauchen, Stoffwechselstörungen sowie Depression behandeln und nicht zuletzt ein körperlich, geistig und sozial aktives Leben führen.
 

Foto: © Drobot Dean - Fotolia.com