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Telemedizin in Vorpommern

Auszeichnung für psychiatrisches Modellprojekt

22.09.2017
Projektleiterin PD Dr. Neeltje van den Berg nahm den Preis für das erfolgreiche Telemedizinprojekt entgegen, der mit 15.000 Euro dotiert ist. (Foto: MSD)

Das Institut für Community Medicine und die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Greifswald sind für das Projekt „Regionale telemedizinische Versorgung in der Psychiatrie“ mit dem MSD Gesundheitspreis ausgezeichnet worden.

Das Institut für Community Medicine und die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Greifswald, so heißt es in einer Mitteilung der Universität, konnten mit ihrem Projekt aufzeigen, wie die Telemedizin zu einer Verbesserung der regionalen psychiatrischen Versorgung beitragen kann. In der Region Vorpommern ist die psychiatrische Versorgung durch große Entfernungen zu den Therapeuten und lange Wartelisten gekennzeichnet, die eine Behandlungskontinuität beispielsweise nach einen stationären oder teilstationären Aufenthalt gefährden.

„Um die Versorgungssituation zu verbessern, bedarf es regionaler, innovativer Versorgungskonzepte. Telemedizinische Modelle sind hier eine vielversprechende Option, die regionale psychiatrische Versorgung zu ergänzen“, erläuterte Projektleiterin PD Dr. Neeltje van den Berg.

Im Rahmen eines vom Ministerium für Arbeit, Gleichstellung und Soziales Mecklenburg-Vorpommern geförderten Projektes wurde in einer Kooperation zwischen dem Institut für Community Medicine, der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie und dem Helios Hanseklinikum Stralsund zwischen 2009 und 2012 eine telemedizinische Intervention für Patienten mit Depression, Angst-, Anpassungs- und somatoformen Störungen nach einer teilstationären Behandlung entwickelt, umgesetzt und ausgewertet. „Das Versorgungskonzept besteht aus regelmäßigen telefonischen Kontakten und SMS-Nachrichten. Die Ergebnisse zeigten in einer wissenschaftlichen Studie deutliche Verbesserungen der Symptome für Angst und Depression.“

Auf der Basis der guten Ergebnisse wurde das Versorgungsmodell in die Regelversorgung überführt. Die telemedizinischen Leistungen erfolgen im Integrierten Funktionsbereich Telemedizin, der am Institut für Community Medicine angegliedert ist, für sechs regionale Psychiatrische Institutsambulanzen und Tageskliniken. Pro Quartal werden inzwischen 60 bis 70 Patienten betreut. Die Inhalte der telemedizinischen Betreuung, die Frequenz der Kontakte und die Behandlungsdauer werden individuell und gemeinsam zwischen Behandler und Patienten festgelegt.

„Der Mehrwert für die Patienten besteht aus dem Zugang zu einer kontinuierlichen, lückenlosen psychiatrischen Betreuung ohne Wartezeiten“, unterstrich van den Berg. „Außerdem erhalten nun auch Patienten, die ansonsten durch große Entfernungen zu den Praxen einen erschwerten Zugang hätten, die Möglichkeit einer psychiatrischen Behandlung.“

Darauf aufbauend wird seit 2014 eine Studie zur poststationären telemedizinischen Behandlung von Patienten mit bipolaren und schizophrenen Störungen durchgeführt, die durch die DAMP-Stiftung gefördert wird (Tecla-Studie). Das Projekt ist eine Kooperation zwischen der Universitätsmedizin Greifswald, dem Helios Hanseklinikum Stralsund und der Odebrecht Stiftung Greifswald und läuft bis Dezember 2017.
 

Projektleiterin PD Dr. Neeltje van den Berg nahm den Preis für das erfolgreiche Telemedizinprojekt entgegen, der mit 15.000 Euro dotiert ist. (Foto: MSD)