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Psychiatrisches Home-Treatment

60 Patienten nutzen Angebot in Sachsen-Anhalt

12.10.2017
Foto: © Sir_Oliver - Fotolia.com

Bislang kommen psychisch Kranke um einen Klinikaufenthalt oft nicht herum. In Stendal gibt es seit einem Jahr die Möglichkeit, sich auch Zuhause behandeln zu lassen. Aus Sicht der Klinik kommt das Angebot gut an.

Bereits 60 psychisch kranke Menschen werden in Stendal im Rahmen eines neuen Angebots Zuhause behandelt. Das Projekt "Psychiatrische Behandlung Zuhause" des Salus-Fachklinikums Uchtspringe startete vor rund einem Jahr. Das Angebot werde sehr gut angenommen, sagte die Ärztliche Direktorin Michaela Poley der Deutschen Presse-Agentur.
 
Besonders für alleinerziehende junge Frauen sei die Behandlung daheim in der eigenen Wohnung ein großer Vorteil. Häufig fehlten diesen Betroffenen Betreuungsmöglichkeiten für ihre Kinder, weshalb sie nicht für einen stationären Aufenthalt in die Klinik kommen könnten, erklärte Poley.
 
Vom neuen Angebot würden aber auch Patienten mit starken Angststörungen profitieren. Für sie sei oft allein schon die Vorstellung, ihre Wohnung für eine Behandlung verlassen zu müssen, so schlimm, dass es zu weiteren Panikattacken komme. Auch für Demenzpatienten komme die Behandlung Zuhause in Frage. "Ausgenommen sind lediglich Suchterkrankungen sowie manifeste psychische Erkrankungen, die mit erheblicher Eigen- oder Fremdgefährdung einhergehen", sagte Poley.      
 
Die beteiligten Therapeuten schätzten vor allem den intensiven Kontakt mit den Angehörigen der Patienten. Die Behandlung in der Wohnung des Betroffenen bringe aber auch große Verantwortung mit sich, sagte Poley. Im Krankenhaus könne man schnell einen Kollegen um Rat fragen. Werde der Patient Zuhause versorgt, sei das nicht ohne Weiteres möglich. Poley sieht deshalb einen Bedarf an Weiterbildungen für die Therapeuten. 
 
Bislang kommen psychisch Kranke in einer akuten Phase kaum um einen Klinikaufenthalt herum. Das Angebot in Stendal ist relativ neu in Sachsen-Anhalt. Weder der Klinik noch dem Sozialministerium sind weitere derartige Behandlungsmöglichkeiten im Land bekannt.
 
Das könnte sich jedoch bald ändern. Die psychiatrische Behandlung im häuslichen Umfeld wurde Ende August in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen. Offen seien jedoch noch Fragen der konkreten Finanzierung, sagte eine Sprecherin des Salus-Fachklinikums. Eine Ausweitung sei davon abhängig, ob sich das Angebot auch mittel- und langfristig wirtschaftlich betreiben lasse. (dpa)
 
 

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