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Leitlinien zu Herzklappenerkrankungen

Tausende Downloads täglich

02.10.2017
Prof. Volkmar Falk, Ärztlicher Direktor des Deutschen Herzzentrums Berlin (DHZB). Foto: DHZB

Die neuen europäischen Leitlinien zur Behandlung von Herzklappenerkrankungen erweitern die Indikationen für den katheterbasierten Aortenklappenersatz (TAVI) und konkretisieren die Notwendigkeit von spezialisierten, interdisziplinären Herzzentren.

Seit ihrer Veröffentlichung Ende August sorgen sie in der Fachwelt für nicht nachlassendes Interesse, messbar an mehreren tausend Downloads täglich. Prof. Volkmar Falk, Ärztlicher Direktor des Deutschen Herzzentrums Berlin (DHZB), ist einer der beiden Leiter des Autorenteams.

Erkrankungen der Herzklappen treten vorwiegend im höheren Lebensalter auf. Mit steigendem Altersdurchschnitt der Bevölkerung in den Industrieländern gewinnen sie in der Herzmedizin seit Langem an Bedeutung, entsprechend hat intensive Forschung zu immer besseren Behandlungsmöglichkeiten geführt.

Ein zentraler Aspekt dieses therapeutischen Fortschritts ist die Möglichkeit, eine krankheitsbedingt verengte Aortenklappe über einen durch die Blutgefäße bis in Herz vorgeschobenen Katheter zu ersetzen, ohne dass dabei eine Operation am offenen Herzen notwendig wird. Dieses TAVI (von englisch „Transcatheter Aortic Valve Implantation“) genannte Verfahren ist zwar unmittelbar sehr schonend, birgt aber auch neue Risiken. In den letzten, im Jahr 2012 veröffentlichten Leitlinien, wurde das TAVI-Verfahren deshalb lediglich für die Behandlung von Patienten empfohlen, bei denen eine konventionelle Operation ein sehr hohes Risiko darstellt.

Inzwischen liegen den Medizinern neue wissenschaftliche Studien vor, die diese strenge Restriktion nicht länger nötig erscheinen lassen: „Vereinfacht gesagt ist das TAVI-Verfahren nach unserem aktuellen Wissensstand eine sinnvolle Alternative für deutlich mehr Patienten als bisher“, fasst Falk zusammen, „wenn auch die offene Herzoperation bei Patienten mit geringem OP-Risiko weiterhin die Methode der Wahl bleibt.“ Insbesondere bei Patienten mit mittlerem Risikoprofil könne es aber kein standardisiertes „Entweder-oder“ geben, so Falk: „Jeder Einzelfall sollte anhand eines Kriterienkatalogs, der neben anatomischen auch klinische Parameter berücksichtigt, individuell entschieden werden.“

Als diesbezüglich zentralen Punkt der neuen Leitlinien nennt der DHZB-Direktor die klar formulierte Notwendigkeit einer von Kardiologen und Herzchirurgen gemeinsam abgewogenen Therapie, die nach Ansicht der europäischen Expertenkommission auch weiterhin von einem interdisziplinären Herzteam und nur in Herzzentren mit beiden Fachabteilungen vorgenommen werden sollte. Darüber hinaus geben die neuen Leitlinien konkrete Empfehlungen, welche weiteren Bedingungen ein „Herzklappen-Zentrum“ erfüllen sollte.

Die Ende August in Barcelona vorgestellten Leitlinien enthalten zahlreiche weitere Empfehlungen zur Diagnostik und Behandlung von Erkrankungen der Herzklappen sowie neue Präzisierungen zur Therapie mit blutgerinnungshemmenden Medikamenten. Sie werden gemeinsam von der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) und der Europäischen Vereinigung für Herzchirurgie (EACTS) herausgegeben und beruhen auf sämtlichen relevanten klinischen Daten und den aktuellen wissenschaftlichen Forschungsergebnissen.

ESC-Vorsitzender ist Prof. Helmut Baumgartner (Universitätsklinikum Münster), Vorsitzender der EACTS ist Prof. Volkmar Falk.

Insgesamt wurden alle am 26. August veröffentlichten ESC-Leitlinien bisher fast 10.000 Mal heruntergeladen – pro Tag. „Dass unsere gemeinsame Anstrengung mit einem so großen und nachhaltigen Interesse belohnt wird, freut meine zahlreichen Ko-Autoren und mich natürlich sehr“, sagt Falk: „Denn wir sind überzeugt, dass wir mit diesen Leitlinien unseren Kolleginnen und Kollegen helfen können, das Behandlungsangebot für deren Patienten zu verbessen.“
 

Prof. Volkmar Falk, Ärztlicher Direktor des Deutschen Herzzentrums Berlin (DHZB). Foto: DHZB