Anzeige
Anzeige
Dresden

Notfallversorgung auf dem Prüfstand

28.09.2017
Die Einsatzkräfte der Feuerwehr sowie Ärzte und Pflegekräfte des Uniklinikums lagern gemeinsam einen Patientendarsteller, der in der Notaufnahme eingetroffen ist. Foto: Thomas Albrecht / Uniklinikum Dresden

Ein Flugzeug stößt bei einer Notlandung auf dem Dresdner Flughafen mit einem Bus zusammen. Es gibt 33 Verletzte, 15 davon schwer. – Mit diesem Übungsszenario sahen sich am Samstag, dem 16. September, zahlreiche Einsatzkräfte in Dresden konfrontiert. Gemeinsam mit dem Flughafen Dresden International und der Dresdner Feuerwehr probten stellvertretend für das Traumanetzwerk Ostsachsen das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus und das Städtische Klinikum Dresden am Standort Friedrichstadt erfolgreich die Abläufe bei einer Großschadenslage.

Gemeinsam stehen diese dem regionalen Traumanetzwerk Ostsachsen vor, dessen zwölf Kliniken durch die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie zertifiziert sind und gemeinsam bei der Versorgung von Unfallopfern im ostsächsischen Raum zusammenarbeiten. Im Rahmen der MANV-Übung (Massenanfall von Verletzten) gelang es, den Weg der Patienten vom Unglücksort bis zum OP-Saal nachzustellen und so die internen Abläufe bei Einsätzen mit einer großen Anzahl an Verletzten weiter zu verbessern.

„Katastrophen-Übungen sind ein essentielles Mittel, um die Fähigkeiten der Einsatzkräfte für den Ernstfall zu trainieren“, erklärten die beiden Sprecher des Traumanetzwerkes Ostsachsen, Prof. Klaus-Dieter Schaser, Ärztlicher Direktor des UniversitätsCentrums für Orthopädie und Unfallchirurgie (OUC) am Uniklinikum Dresden und Prof. Felix Bonnaire, Chefarzt der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie am Städtischen Klinikum Dresden, Standort Friedrichstadt. „Hier können alle am Einsatz beteiligten Institutionen neben den eigenen Abläufen auch die Abstimmung untereinander trainieren. Die Ergebnisse der diesjährigen Krankenhauskatastrophenübung zeigen, dass die beiden überregionalen Traumazentren für den Krisenfall gut gewappnet sind“, so die erfahrenen Unfallchirurgen weiter. Im Rahmen der Übung wurden ins Universitätsklinikum Dresden 22 und ins Städtische Klinikum Dresden 11 verletzte Patienten eingeliefert und behandelt. Dabei gelang es den Ärzten und Pflegekräften an beiden Standorten während der fast 70-minütigen Übung den kontinuierlichen Zustrom von neuen Patienten so zu managen, dass stets die am schwersten verletzten Patienten priorisiert behandelt werden konnten.

„Im Ernstfall kommt der Sichtung, also der medizinischen Einschätzung des Gesundheitszustandes eintreffender Patienten eine hohe Bedeutung zu“, erklärt Prof. Bonnaire die Herausforderung der Notfallmediziner. „Lebensgefährliche Verletzungen haben oberste Priorität – unabhängig vom Zeitpunkt der Einlieferung der Patienten. Jeder Patient wird bei seiner Aufnahme anhand eines Algorithmus und seiner Verletzungen analysiert und die Versorgungsprioritäten anhand der Ergebnisse angepasst. Mit diesem System gelingt es auch im Katastrophenfall, trotz einer hohen Auslastung der OP-Säle lebensbedrohlich verletzte Patienten einer unmittelbaren Therapie zuzuführen und so zu stabilisieren“, ergänzt Privatdozent Dr. Christian Kleber, ärztlicher Leiter der Chirurgischen Notaufnahme und geschäftsführender Oberarzt des UniversitätsCentrums für Orthopädie und Unfallchirurgie. Die durch die Rettungsdienste gestellten Freiwilligen, waren als Patienten gemäß ihrem Krankheitsbild geschminkt und ermöglichten den allein am Uniklinikum 50 Ärzten und Pflegenden so eine realistische Katastrophenübung.

„Das Uniklinikum Dresden beteiligt sich gern an Übungen mit anderen Institutionen, denn nur so kann die Zusammenarbeit für den Ausnahmefall trainiert werden“, betont auch Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Dresden. „Mit Eröffnung der neuen Chirurgischen Notaufnahme in Haus 32 im Frühjahr 2018 werden dem Uniklinikum in Zukunft erweiterte Ressourcen zur Verfügung stehen, die das Notfallmanagement zusätzlich verbessern“, erklärt der Vorstand. „Ereignisse wie das Elbehochwasser 2002 oder auch die Anschläge in Madrid, London und Berlin verdeutlichen das steigende Risiko für medizinische Großschadenslagen und zeigen die Notwendigkeit notfallmedizinischer Vorsorgeplanungen. Das Städtische Klinikum Dresden ist als überregionales Traumazentrum mit der für den Notfall geplanten Aufnahmekapazität und unter Nutzung aller verfügbaren Ressourcen für den Großschadensfall sehr gut aufgestellt.“, betont Prof. Bonnaire, Chefarzt der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie am Friedrichstädter Standort. In Zukunft sollen die Übungen auch auf die anderen zehn Kliniken des Traumanetzwerkes ausgeweitet sowie grenzübergreifend im Rahmen europäischer Verbundprojekte realisiert werden.

Traumanetzwerk Ostsachsen
Ein zentraler Baustein der umfangreichen Notfallversorgung in Dresden und im gesamten ostsächsischen Raum ist die Mitgliedschaft und regelmäßige Aktivität von insgesamt zwölf zertifizierten Traumazentren im Rahmen des 2013 gegründeten Traumanetzwerks Ostsachsen. Durch den Austausch im Netzwerk, die enge Abstimmung der Kliniken und Notärzte untereinander und vor allem die genau abgestimmte Kooperation mit der Dresdner Berufs- und Flughafenfeuerwehr sowie den Hilfsorganisationen gelingt es, Unfallopfer bestmöglich zu versorgen und auch in Ausnahmesituationen eng zusammenzuarbeiten.
 

Die Einsatzkräfte der Feuerwehr sowie Ärzte und Pflegekräfte des Uniklinikums lagern gemeinsam einen Patientendarsteller, der in der Notaufnahme eingetroffen ist. Foto: Thomas Albrecht / Uniklinikum Dresden

PD Dr. Christian Kleber (rote Weste) zeigt Pflegekräften und Ärzten des Uniklinikums die bisherige Anzahl an eingelieferten Patienten. Foto: Thomas Albrecht / Uniklinikum Dresden