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Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Lehrpreise für herausragende Didaktik

06.10.2017
Foto: Sandra Meyndt

Die Medizinische Fakultät der Universität Freiburg hat in diesem Jahr fünf Lehrveranstaltungen ausgezeichnet .

Guter Unterricht für angehende Ärztinnen und Ärzte: Mit insgesamt 25.000 Euro Preisgeld hat die Medizinische Fakultät der Universität Freiburg fünf Lehrpreise im Studiengang Humanmedizin vergeben. Die beiden mit je 8.000 Euro dotierten Auszeichnungen gehen an Prof. Dr. Christian Offergeld, Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, sowie Dr. Jochen Brich und Dr. Moritz von Cranach, Klinik für Neurologie und Neurophysiologie. Die anderen mit jeweils 3.000 Euro dotierten Lehrpreise bekommen Prof. Dr. Christoph Schempp und Martin Faber, Klinik für Dermatologie, sowie Dr. Helene Pahlow, Dr. Matthias Goos, Prof. Dr. Stefan Fichtner-Feigl und Prof. Dr. Oliver Thomusch, Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Dr. Waltraut Silbernagel, Institut für Medizinische Psychologie und Dr. Andrea Kuhnert, Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Kuhnert erhält zudem noch einen Lehrpreis für ein weiteres Projekt.

Christian Offergeld: „Teaching Professor HNO – Umsetzung eines kompetenz- und klinikorientierten Lehrplans in der HNO-Heilkunde“
Hohe Lehrqualität, moderne Lehrmethoden, Kompetenzerwerb im Studium und ein hauptverantwortlicher Lehrkoordinator, der so genannte „Teaching Professor (TP)“ – das sind die vier Säulen, auf denen das Grundkonzept der Lehrveranstaltung „Teaching Professor HNO“ basiert. Das Projekt mit praktisch-klinischem Bezug greift allgemeine Fragen der Studierenden auf und zeigt, wie Beruf, wirtschaftliche Interessen und qualitativ anspruchsvolle Lehre zu vereinen sind. Besonderen Wert legen Offergeld und sein Team auf die fachliche Betreuung der Studierenden durch motivierte Dozentinnen und Dozenten.

Jochen Brich, Moritz von Cranach: „Lumbalpunktion mit praktischen Übungen am Phantom“
In der Medizin ist die Lumbalpunktion eines der wichtigsten Elemente in der neurologischen Diagnostik. Um Nervenwasser zu entnehmen, wird eine Nadel im Bereich der Lendenwirbel eingeführt. Die Methode wird im „Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalog Medizin“ als Grundkompetenz für alle Ärzte gefordert. Ziel des Lehrprojekts ist es, die Vor- und Nachteile sowie die praktische Fertigkeit dieses komplexen Verfahrens am Modell zu vermitteln. Dabei spielen auch das Verständnis für die Patientinnen und Patienten während der Punktion sowie die situationsbedingte Kommunikation eine wichtige Rolle.

Christoph Schempp, Martin Faber: „Moulagen-Projekt“
Moulagen sind dreidimensionale, naturgetreue Darstellungen von Hauterkrankungen in Wachs. Sie waren bis zur Ablösung durch die Farbfotografie Mitte des 20. Jahrhunderts ein unverzichtbarer Bestandteil der dermatologischen Lehre. Der Unterricht an Moulagen wurde an der Freiburger Hautklinik im Jahr 2007 wieder in die Lehre eingeführt. Wie bei einer Klinischen Visite lernen die Studierenden anhand der Moulagen konkrete Fälle kennen, aus denen das Typische einer Krankheit abgeleitet wird. Im Gegensatz zum Unterricht am Krankenbett stehen mit den Moulagen jederzeit Lehrbeispiele zur Verfügung, die didaktisch aufbereitet sind. Auch Hautveränderungen im Intimbereich können mit ihnen gezeigt werden, ohne dass Persönlichkeitsrechte der Patienten verletzt werden. Mit Unterstützung des Lehrpreises sollen die Moulagen in den Kleingruppenunterricht der Oberärzte und in das E-Learning eingebunden werden.

Helene Pahlow, Matthias Goos, Stefan Fichtner-Feigl, Oliver Thomusch, Waltraut Silbernagel und Andrea Kuhnert: „Kommunikative Kompetenzen in der Chirurgie“
Studierende der Humanmedizin kommen im siebten Semester erstmals mit Patienten in Kontakt. Dann gilt es, das bis dahin im Studium erlernte Wissen über Gesprächsführung und Fragetechnik in die Tat umzusetzen. In einem Pilotprojekt der Chirurgie-Abteilung führen die Studierenden eines ihrer ersten Gespräche am Krankenbett. Geschulte Tutorinnen und Tutoren beobachten sie dabei und geben im Anschluss Feedback: Wie ist die Studentin oder der Student aufgetreten? Wurden Probleme thematisiert und Gefühle angesprochen? Konnte der Patient angemessen durch das Gespräch geführt werden? Gute Kommunikation macht nach Ansicht der Lehrenden auch die Zusammenarbeit von Fachkräften untereinander effizienter. Die Studierenden üben deshalb im zweiten Teil des Pilotprojekts in einer Patientenübergabe, den Patienten richtig vorzustellen. Welche Informationen müssen wie weitergegeben werden? Wie ist der Plan für das weitere Vorgehen? Gerade in der Chirurgie, in der oftmals wenig Zeit bleibt zum Reden, stellt sich heraus: Ein gutes Gespräch muss nicht lang sein und kann am Ende sogar Zeit sparen.

Andrea Kuhnert: „High risk – cool run: Untersuchung zur Wirksamkeit einer präventiven Kurzintervention zum Umgang mit Belastungen in (simulierten) Notfallsituationen“
Ärztliches Handeln im notfallmedizinischen Kontext erfordert schnelle und zielgerichtete Entscheidungs-und Handlungsprozesse in hoch komplexen und emotional belastenden Krisensituationen. Dabei können Gefühle von Hilflosigkeit und Überforderung ausgelöst werden, die professionelles Handeln erschweren, insbesondere bei Personen mit wenig beruflicher Erfahrung. Obwohl dieses Problem bekannt ist, gibt es kaum Vorkehrungen, die versuchen, diesem in der medizinischen Ausbildung entgegenzuwirken. Aus diesem Grund wird eine Kurzintervention in Form eines Drei-Stunden-Workshops zum achtsamen Umgang mit Belastungen in der Notfallmedizin sowie deren geplante Evaluation vorgestellt. Der Workshop umfasst sowohl fachspezifische Informationen zur Arzt-Patienten-Interaktion und spezifische Inhalte zum achtsamen Umgang mit negativen Gefühlen als auch übende Tutorate mit Schauspielpatienten.
 

Foto: Sandra Meyndt