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Krankenhausinfektionen

Keimtötende Schicht soll Oberflächen schützen

29.09.2017
Dr. Karen Lienkamp. Foto: Britt Schilling/FRIAS

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Projekt „ANTIBUG" der Chemikerin Dr. Karen Lienkamp mit 1,4 Millionen Euro über drei Jahre. In dem Projekt wird Lienkamp die Wirksamkeit einer von ihr entwickelten Oberflächenschicht testen, die bei Blasenkathetern und Wundverbänden zum Einsatz kommen könnte. Diese Beschichtung soll verhindern, dass sich Keime an der Oberfläche von solchen Medizinprodukten ansiedeln. Im Anschluss plant Lienkamp eine Ausgründung des Projekts oder eine Kooperation mit Industriepartnern.

Bakterien bilden auf der Oberfläche von Medizinprodukten häufig einen Verbund, einen so genannten Biofilm, der mitunter lebensgefährliche Infektionen auslöst. Befindet sich solch ein Film auf einem Blasenkatheter, kann dieser bei Patientinnen und Patienten zu Harnwegsinfektionen führen. Sie zählen zu den häufigsten Krankenhausinfektionen in Deutschland und verursachen neben dem Leiden der Patienten einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden aufgrund von Folgekosten.

Abhilfe schaffen könnte die neuartige Beschichtung, die sich durch ein einfaches chemisches Verfahren auf unterschiedliche Oberflächen aufbringen lässt. Bei direktem Kontakt tötet sie die Bakterien ab und verhindert gleichzeitig, dass sich Proteine an der Oberfläche anlagern, die die Bildung eines Biofilms begünstigen.

Das BMBF fördert Lienkamps Projekt in der Maßnahme „Validierung des technologischen und gesellschaftlichen Innovationspotenzials wissenschaftlicher Forschung – VIP+". Ziel des Programms ist es, die Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung fit zu machen für eine spätere Anwendung. Das Transfercoaching der Universität Freiburg, einer Zusammenarbeit der Freiburg Research Services und des Gründerbüros, hat die Aufnahme von „ANTIBUG" in das Programm ermöglicht.

Karen Lienkamp studierte Chemie in Cambridge/England und Berlin und wurde an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz promoviert. Nach einem dreijährigen Aufenthalt an der University of Massachusetts in Amherst/USA kam sie an die Universität Freiburg, wo sie 2017 habilitiert wurde. Sie leitet die Nachwuchsgruppe „Bioactive Polymer Synthesis and Surface Engineering", die unter anderem vom Emmy Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird. 2014 hat Lienkamp einen ERC Starting Grant des Europäischen Forschungsrats (ERC) von 1,49 Millionen Euro für eine Oberfläche erhalten, die sich selbst selektiv ablöst und damit eine neue funktionale Schicht freilegt.
 

Dr. Karen Lienkamp. Foto: Britt Schilling/FRIAS