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Antibiotikaresistenzen

„Mehr Beratung, weniger Rezeptblock“

02.10.2017
Arbeitsgruppe: B. Grabkowsky, R. Köck, L. Kreienbrock, R.M.G. Hendrix, T. Blaha, U. Bartels, H. van Beers-Schreurs, D. Ziehm, E. Haunhorst, M. Pulz, H.-H. Ehlen, J. Baumgarte (v.l.). Foto: © nph/Kokenge

Symposium „Antibiotikaresistenzsituation verbessern – Eine gemeinsame Aufgabe von Human- und Veterinärmedizin“ mit über 220 TeilnehmerInnen in Vechta

Antibiotikaresistente Krankheitserreger werden weltweit mit zunehmender Besorgnis betrachtet und bedürfen höchster Aufmerksamkeit. Sie können sowohl für Menschen als auch für Tiere gefährlich werden. Daher ist ein verantwortungsbewusster Umgang mit antibiotischen Wirkstoffen von großer Bedeutung. Am 29. September 2017 fand dazu in Vechta ein wissenschaftliches Symposium statt. Mehr als 220 Teilnehmende aus Veterinärmedizin und Humanmedizin diskutierten gemeinsam, wie die Antibiotikaresistenzsituation künftig weiter verbessert werden kann.

In seinem Einführungsvortrag zitierte Prof. Dr. Thomas Blaha, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, Schätzungen der UN, dass ohne wirkungsvolle Konzepte ab 2050 mehr als 10 Millionen Menschen im Jahr weltweit an resistenten Keimen sterben könnten, wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Er forderte daher, dass neben einer verbesserten Zusammenarbeit zwischen Human- und Veterinärmedizin auch ein gesamtgesellschaftliches Verständnis für den verantwortungsvollen Umgang mit den für die Menschheit so wertvollen Antibiotika zu schaffen sei.

Dies bekräftigte auch der Präsident des niedersächsischen Landesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES), Prof. Dr. Eberhard Haunhorst: „Jeder Einsatz von Antibiotika in der Human- und Veterinärmedizin kann die unerwünschte Resistenzentwicklung gegen Antibiotika fördern. Die Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen ist daher eine gemeinsame, wichtige Aufgabe der Human- und Veterinärmedizin – dies spiegelt sich im One-Health-Ansatz wider.“

Der One-Health-Ansatz wurde auf der Tagung angeregt diskutiert, weil er die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt fachübergreifend in den Blick nimmt. Dr. Matthias Pulz, Präsident des Niedersächsischen Landesgesundheitsamts (NLGA), erklärte: „Der One-Health-Ansatz soll die Zusammenarbeit unterschiedlicher Fachrichtungen stärken und dabei Aktivitäten im jeweiligen Verantwortungsbereich befördern“. Mit der gemeinsamen niedersächsischen Strategie gegen Antibiotikaresistenz werde beispielsweise genau dieser Ansatz verfolgt, so Pulz.

Erste Erfolge bei der Bekämpfung resistenter Keime sind bereits sichtbar. In der Tierhaltung hat sich die Gesamtmenge der an Tierärzte abgegebenen Antibiotika seit 2011 etwa halbiert. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren sich jedoch einig, dass weitere Anstrengungen notwendig seien. Auch in den Krankenhäusern. In seinem Vortrag über Hygiene im Krankenhaus machte Dr.med. Ron Hendrix, Medizinisches Zentrum der Universität Groningen, anschaulich, dass eine verbesserte Resistenzüberwachung nicht nur dabei helfe, Resistenzen zu minimieren, sondern auch Kosten zu einzusparen. Aufwändige Behandlungen und eine isolierte Unterbringung betroffener Patientinnen und Patienten in den Krankenhäusern könnten beispielsweise gesenkt werden.

Die Geschäftsführerin der neuen, in Vechta ansässigen Koordinierungsstelle „Transformationswissenschaften in agrarischen Intensivregionen im Nordwesten Niedersachsen“, Dr. Barbara Grabkowsky, freute sich über die rege Teilnahme und unterstrich: „Jetzt gilt es, diesen Schwung und das Interesse aller Disziplinen an diesem wichtigen Thema aufzugreifen. Wir wollen auf den Ergebnissen der Tagung aufbauen und praxistaugliche Konzepte mit Wirtschaft und Wissenschaft erforschen. Wir brauchen mehr Beratung, einen gezielten und verantwortungsbewussten Umgang in der Antiinfektivatherapie bei Mensch und Tier und weniger den schnellen Griff zum Rezeptblock.“

Weitere Veranstaltungen der Koordinierungsstelle sind bereits in Planung. Auch zukünftig werde es darum gehen, wichtige gesellschaftsrelevante Themen aufzugreifen und zu diskutieren. Ziel sei es, Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik besser zu vernetzen, um aufbauend gemeinschaftlich getragene Lösungsansätze zu entwickeln, so Grabkowsky weiter.

Kooperationspartner des Symposiums
Ausrichter des wissenschaftlichen Symposiums „Antibiotikaresistenzsituation verbessern – Eine gemeinsame Aufgabe von Human- und Veterinärmedizin“ sind neben der Koordinierungsstelle Transformationswissenschaften auch die Universität Vechta, die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, das Agrar- und Ernährungsforum Oldenburger Münsterland e. V. (aef), das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) sowie das Niedersächsische Landesgesundheitsamt (NLGA).

Über die Koordinierungsstelle
Die Koordinierungsstelle Transformationswissenschaften für die agrarische Intensivregion im Nordwesten Niedersachsens ist eine gemeinsame Einrichtung der Kooperationspartner Universität Göttingen, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, Hochschule Osnabrück, Universität Osnabrück, Universität Vechta, Oldenburgische IHK, IHK Osnabrück – Emsland – Grafschaft Bentheim, Landwirtschaftskammer Niedersachsen, des Agrar- und Ernährungsforums Oldenburger Münsterland e.V. und des Kleinen Kreises e.V. Ferner beteiligt sind der BUND Niedersachsen, der WWF Deutschland sowie das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur und das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Ziel der Einrichtung ist es, Zukunftsperspektiven für die agrarischen Intensivregionen zu ermitteln und anwendungsorientierte Praxislösungen im Verbund zu entwickeln. Einbezogen werden sollen dabei die sozialen und ökonomischen Belange der Betriebe, Tier- und Umweltschutz.
 

Arbeitsgruppe: B. Grabkowsky, R. Köck, L. Kreienbrock, R.M.G. Hendrix, T. Blaha, U. Bartels, H. van Beers-Schreurs, D. Ziehm, E. Haunhorst, M. Pulz, H.-H. Ehlen, J. Baumgarte (v.l.). Foto: © nph/Kokenge